Stichpunkt Mozilla: Mozilla 1.0
< 20. Juni 2002 >
Mozilla 1.0 ist da
Am 5. Juni 2002 war es soweit: Pünktlich fünf Jahre nach dem Erscheinen von Netscape 4
ist nach langer öffentlicher Entwicklung der Nachfolger Mozilla fertig geworden.
Die Zeiten der Versionen 0.x und des darauf aufbauenden Netscape 6 sind vorbei.
Die Release-Partys sind gefeiert, die
Abgesänge auf den alten Netscape gesungen.
Werfen wir also einen Blick auf den neuen Browser.
Mozilla ist Open Source
Zunächst einmal ist Mozilla
freie Software,
das heißt der Quelltext gehört nicht einer Firma oder Einzelperson, sondern ist
Open Source unter den
Mozilla and Netscape Public Licences.
Er wird immer gratis sein.
Jeder der etwas zum Browser beitragen kann hat die Möglichkeit an Mozilla mitzuwirken.
Hunderte von Einzelpersonen
und neben Netscape zahlreiche weitere
Firmen
arbeiten am Mozilla-Projekt, bringen Ideen ein und sorgen dafür, daß er ständig verbessert wird.
Koordiniert wird das Projekt von
Mozilla.org, ausgesprochen
Mozilla Dot Org oder Mozilla Organization. Auf meiner
Links-Seite gibt es zahlreiche Verknüpfungen zur Mozilla-Community.
Was sind die Unterschiede zwischen Mozilla und Netscape 6/7?
Netscape Communications ist eine kommerzielle Firma unter dem Mantel von AOL, die kommerzielle Produkte vertreibt.
Sie hat zwar den Quelltext ihres Browsers frei gegeben und zahlreiche ihrer Mitarbeiter arbeiten auch an
mozilla.org mit, aber trotzdem unterscheiden sich die Browser grundlegend, obwohl sie äußerlich ähnlich aussehen.
Netscape verwendet den Open Source Code von Mozilla als Grundlage und reichert ihn mit eigenen nicht-öffentlichen
Komponenten und Plug-Ins an. Großteils ist dieses der AOL-Ballast, der den Browser so fett und schwerfällig macht.
Zum Vergleich: Das Installationsprogramm von Mozilla 1.0 hat eine Größe von etwa 10 MB, das von
Netscape 6.2 (der auf Mozilla 0.94 aufbaut) besitzt über 27 MB. Der kommende
Netscape 7 wird auf Mozilla 1.0 aufbauen.
Mozilla und der Internet Explorer
Ja, der Internet Explorer ist ein guter Browser. Er ist auf allen neuen Computern unter Windows seit Jahren
als Standardbrowser vorhanden.
Ja, der alte Marktführer Netscape 4.x hat viel zu lange eine Bremserfunktion für Fortschritte im Web
ausgeübt und Netscape 6 ist keine lohnende Alternative.
Und ja, Mozilla ist zwei Jahre zu spät fertig geworden.
Aber trotzdem: Er ist eine gute Alternative zum Monopolisten geworden.
Zumindest ist er ein brauchbarer Zweitbrowser, der sich problemlos neben dem Internet Explorer einsetzen läßt.
Mir hat er dabei so gut gefallen, daß ich fast nur noch mit ihm im Web unterwegs bin.
Er ist ein guter und schneller Browser mit vielen nützlichen Features, die ich nicht mehr missen möchte.
Teste Mozilla! Hole ihn dir direkt von
mozilla.org oder die deutsche Version bei
Mozilla deutsch oder von jeder
Zeitschriften-CD im Handel. Er ist einen Versuch wert.
Was kann Mozilla, was der Internet Explorer nicht kann?
- Tabbed Browsing: Um mehrere Webseiten gleichzeitig offen zu haben, müssen nicht auch
mehrere Instanzen des Browser geöffnet werden. Sie können statt dessen im selben Browser geladen werden
und sind über Registerkarten schnell erreichbar. So kann man zum Beispiel die Ergebnisse von Suchmaschinen
in neuen Register-Tabs öffnen und während man eine Seite liest, werden die anderen Fundstellen im Hintergrund
schon geladen. Mehr darüber steht in meiner Seite zum
Tabbed Browsing.
- Gruppen-Bookmarks: Hat man mehrere Webseiten in die Register-Tabs geladen, kann man sie auch gemeinsam
als Bookmark (oder "Lesezeichen" wie Mozilla und Netscape sie nennen bzw. "Favoriten" wie sie im IE heißen)
speichern und später wieder aufrufen. Auch dazu mehr unter
Tabbed Browsing.
- Suche im Web: Man markiert auf einer Webseite ein Wort oder eine Phrase und kann dann über die
rechte Maustaste seine bevorzugte Suchmaschine hierzu befragen. Die Ergebnisse werden in einem neuen Tab dargestellt. Das ist sehr
praktisch und spart eines meiner Suche-Bookmarklets.
- Informationen über Webseiten: Strg-I oder der Menüpunkt Ansicht - Seiteninformation öffnet
ein Fenster, in dem vielfältige Informationen über die besuchte Seite dargestellt sind: von der letzten Aktualisierung über die
Meta-Tags zu Formulardaten (auch versteckte Felder), einer Links-Liste und Informationen zu allen Grafiken. Und der Cookie-Manager
zeigt nicht nur die Inhalte dieser Web-Kekse an, sondern kann auch gezielt Regeln für einzelne Domains aufstellen.
- Download Manager: Dieses Tool merkt sich alle Downloads und gibt ständig Zugriff sowohl
auf die Datenquelle als auch auf den Speicherort im eigenen Computer. Es können gleichzeitig mehrere Downloads gestartet
und bei einem eventuellen Abbruch der Verbindung später wieder aufgenommen werden.
- DOM Inspector: Für Web-Entwickler ist dieses Hilfsmittel sehr nützlich, denn
alle Objekte einer Webseite können einzelnd angezeigt, untersucht und auch manipuliert werden, gleiches gilt für
interne und externe StyleSheets und Scripts. Doch auch für Nur-Surfer ist der Inspector interessant: So lassen sich
auch einzelne Bereiche einer Webseite ausdrucken oder abspeichern während uninteressantes oder Werbung ausgeblendet wird.
Eine Einführung in die Benutzung dieses mächtigen Tool gibt es unter DOM Inspector.
- Werbe-Popups verhindern: Fast alle Surfer sind von ihnen genervt, aber leider bringen sie für
Werbetreibende auch gute Klickraten - die blöden Popup-Fenster mit irgend welcher Reklame, die sich ungefragt öffnen und in
den Vordergund drängeln. Damit ist jetzt Schluß: in Mozilla kann man einstellen, daß nur noch Popups geöffnet
werden, wenn man sie selbst durch einen Link anfordert. Ha, lange Nase, ihr Werbe-Schlipse!
- Nervige Scripte verhindern: Zwar kann man in Mozilla auch JavaScript vollständig deaktivieren,
doch daß ist nur was für Angsthasen und nimmt vielen Webseiten ihre Goodies. Aber es gibt auch nervende Scripts und die
kann man in der erweiterten Einstellungen blockieren. Zum Beispiel die Unsitte, irgendwelche Texte in die Statuszeile des Browsers zu
schreiben und damit ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich das Ziel von Links anzuzeigen, zu berauben. Oder das Browserfenster auf
eine Größe aufzuziehen, die zwar dem Designer gefällt aber mir meine bevorzugten Einstellungen nimmt. Nun nicht mehr...
- Caret Browsing: Den Browser nur mit der Tastatur steuern. Dieses Feature von Mozilla ist gut
versteckt und nirgendwo dokumentiert. Ich bin nur durch Zufall darauf gestoßen, als ich aus Versehen die <F7> gedrückt
hatte und mir darauf hin ein Popup mitteilte, daß jetzt ein beweglicher Cursor auf der Webseite platziert würde. Dadurch
läßt sich die Seite vollkommen ohne Maus steuern. Befindet sich der Cursor über einem Link, öffnet die Eingabetaste
die entsprechende Webseite, hält man gleichzeitig die <Strg>-Taste gedrückt, wird sie in einem neuen Tab geladen.
In manchen Fällen, z.B. in langen Formularen, ist das sehr nützlich.
Alle Vorteile von Mozilla hat Neil Deakin in einer langen Liste zusammen gestellt:
101 things that the Mozilla
browser can do that IE cannot.
Hier hat Mozilla mit dem Internet Explorer gleich gezogen
- Quick Launch: Eine Stärke des IE und ein großer Nachteil von Netscape war es immer, daß der
Microsoft-Browser durch seine enge Verankerung in Windows so schnell startete während man beim Navi erst einmal Däumchen
drehen mußte. Durch das neue Quick Launch wird Mozilla nun schon beim Computestart im Hintergrund geladen und lauert in der
System Tray (unten rechts neben der Uhr) auf seinen Einsatz. Und fährt dann genau so schnell hoch wie der IE.
- Unterstützung aktueller Standards: HTML 4, XHTML, XML, CSS, DOM, JavaScript - endlich! Und nun stopft den alten Netscape 4 in die Tonne!
- Webseiten abspeichern: Will man eine Webseite erst später und eventuell offline lesen oder
langfristig aufheben, kann man sie mit allen Bildern, Styles und Scripts auf seinem Computer speichern.
- Persönliche Symbolleiste: Im IE heißt sie Links-Symbolleiste und ist sehr praktisch, um
die Lieblings-Bookmarks immer griffbereit zu haben. Und wie im IE sollte man auch in Mozilla zuerst die voreingestellten Links des
Browser-Herstellers dort löschen, die taugen sowieso nichts. Dann hat man genug Platz für eigene Lesezeichen und
Bookmarklets. Auch ganze Ordner kann man dort ablegen. Hier Screnshots meiner Links-Leisten in
Mozilla und Internet Explorer.
- Seiten-Leiste: Ich brauche sie nur für meine Bookmarks und die Browser-History, aber wer will,
kann sich hier auch eine Suchmaschine, die lokale Wettervorhersage, das Kinoprogramm, Börsenkurse oder Kochrezepte anzeigen lassen,
flexibler als im IE. OK, wer's mag, mir ist das zu fuzzelig, ich hab das lieber im großen Browserfenster.
- Druckvorschau: Im Datei-Menü kann man sich vor dem Drucken das zu erwartende Ergebnis anzeigen
lassen und es seinen Bedürfnissen anpassen.
- Vollbild Modus: Wie im IE kann man jetzt eine Webseite mit der Taste F11 oder im Menü Ansicht im
Vollbild darstellen.
Wo ist der Internet Explorer immer noch besser?
- Bookmark-Verwaltung: Zwar hat Mozilla gegenüber Netscape schon käftig zugelegt,
aber so flexibel wie im IE ist er noch immer nicht.
- Website-Icons: Jetzt kann auch Mozilla mit den sogenannten Favicons umgehen, den kleinen Symbolen,
die einige Websites (wie meine :-) ) anstelle des Standard-Icons verwenden. Aber er zeigt sie bisher nur im Adressfeld und auf den
Register-Tabs an, dafür aber immer und sofort, nur leider nicht bei den Bookmarks/Lesezeichen. Und genau dort sind sie im IE
sichtbar und sehr nützlich, denn sie helfen, einen Favoriten schnell zu finden. Allerdings hat der Internet Explorer die dumme
Eigenschaft, diese Icons nach einiger Zeit wieder zu vergessen und nur noch den Standard anzuzeigen. Man sieht, hier müssen beide
Browser noch nachlegen.
- Quelltext anzeigen: Auch hier hat sich Mozilla gegenüber Netscape 4 verbessert: Er zeigt den
Seitenquelltext jetzt in einem externen Betrachter an, sogar mit Syntax-Farbgebung, und kann ihn nun auch abspeichern. Aber es ist
kein Editor, man kann den Code nicht bearbeiten. Das geht nur im Composer und der geht recht eigenwillig mit der Formatierung um und
fügt auch gerne etwas hinzu, etwa Zeilenumbrüche. Hier hat Microsoft ein einfaches aber sehr nützliches System: der IE
öffnet den Quelltext in Notepad (ober nach Rumfummelei in der Registry auch in einem anderen Editor, etwa meinem Liebling
EditPad). Das macht das Bearbeiten von Webseiten sehr einfach, weil man
zwischen Editor und Browser schnell hin und her wechseln kann. Das ist zwar nur wichtig für Handcoder wie mich, aber für
die ist's unersetzlich. Schade, Mozilla, deinen Composer mag ich nicht....