Toms Stichpunkte rund ums Web
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Diskussion um <target="_blank">

Sollte eine Webseite externe Links in einem neuen Fenster öffnen oder ist das eine Bevormundung des Besuchers? Sind neue Browserfenster noch sinnvoll in Zeiten von Tabs? Wie benutzen unerfahrene User ihren Browser und wie sieht das unter den Gesichtspunkten Usability und Accessibility aus?

Der Streit ums Target wird erbittert geführt - jeder versucht seine Position als die einzig richtige darzustellen und die andere als "Bevormundung" bzw. "puristisch" zu verunglimpfen. Wer sich das einmal antun möchte, kann die entsprechenden Threads im SelfHTML-Forum oder in der W3C-Mailinglist durchlesen. Oder im Archiv einer beliebigen Mailingliste oder eines Forums zum Thema HTML, Webdesign, Usability etc. stöbern, das Thema ist mindestens alle halbe Jahr wieder dran.

Zunächst eine Bestandsaufnahme. Ich gehe davon aus, dass der Webdesigner weiß was er tut, wenn er externe Links seiner Website in einem neuen Browserfenster öffnet. Außer Acht bleiben Framesets, die ohne das target sinnlos sind, und Webseiten von Anfängern, die alle Links, also auch interne Seiten, in einem eigenen Fenster aufmachen.

Warum mehrere Tabs oder Fenster sinnvoll sind

Argumente für das automatische Öffnen neuer Fenster

Argumente gegen das automatische Öffnen neuer Fenster

Neue Fenster und Usability

Die oben angeführten Argumente bestimmen auch die kontroverse Usabilty-Diskussion. Einerseits: Einfache Bedienung, Klicken ohne nachzudenken, der Ersteller einer Webseite kennt das Konzept am besten und übernimmt die Benutzerführung. Andererseits: Orientierungslosigkeit in einer Vielfalt geöffneter Fenster, Verlust der Funktionalität des Zurück-Buttons, Bevormundung der User.

Viele Usability-Experten lehnen neue Fenster ab. Unter anderen
Jakob Nielsen: "The Top Ten New Mistakes of Web Design #1 Breaking the Back Button, #2 Opening New Browser Windows",
Karen Jessett: "Don't make links open in a new window",
Gerald Nelsen: "Für ungeübte Benutzer, ganz besonders aber ältere Menschen, stellt mehr als ein gleichzeitig geöffneter Browser ein schier unüberwindliches Hindernis dar"
Dive Into Accessibility: "This is incredibly confusing, don't do this."
Stefan Karzauninkat: "Goldene Regeln für schlechtes HTML"

Andere Fachleute wie Thomas Wirth erkennen dagegen sehr wohl den Sinn mehrerer geöffneter Fenster, weisen aber durch einen Hinweis oder ein eindeutiges Symbol darauf hin, wenn externe Links in einer neuen Browser-Instanz geladen werden. Der Benutzer sollte vor einem Klick auf einen Link nicht nur wissen, was ihn dort erwartet, sondern auch, ob die aktuelle Seite dadurch verlassen wird oder nicht.

Neue Fenster und Accessibility

Die Zugänglichkeit von Webseiten für alle Besucher, auch für solche mit Beeinträchtigungen, sollte gewährleistet sein. "Individuals who are blind or have low vision may have difficulty knowing when a visual context change, such as a new window popping up, has occurred. In this case, warning users of context changes in advance minimizes confusion when the user discovers that the back button no longer behaves as expected" heißt es im aktuellen Working Draft der Web Content Accessibility Guidelines 2.0 des W3C.

Dem Bundesbehindertengleichstellungsgesetz vom 1. Mai 2002 folgte zur Durchsetzung einer barrierefreien Informationstechnik eine Rechtsverordnung, die im Detail regelt, welche Maßnahmen für alle Internetseiten des Bundes notwendig sind: die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung.

In dieser Verordnung und seiner Anlage, die sich im Wortlaut eng an die Web Accessibility Initiative (deutsch: Zugänglichkeitsrichtlinien für Web-Inhalte) des W3C anlehnen, steht: "Priorität 1: Das Erscheinenlassen von ... anderen Fenstern ist zu vermeiden. Die Nutzerin, der Nutzer ist über Wechsel der aktuellen Ansicht zu informieren."

Das Target-Attribut und die Web-Standards

Das target-Attribut für das Anchor-Element ist in HTML 4.01 und XHTML 1 nach den Empfehlungen des W3C nur noch in den Varianten Transitional und Frameset erlaubt, in den stricten Varianten jedoch nicht mehr. Aus XHTML 1.1 wurde es ganz verbannt.

Interessant ist, daß in den Modulen des in der Entwicklung begriffenen XHTML 2.0 das target bei den Xframes wieder auftaucht. Die Diskussion Web-Dokument vs. Web-Applikation ist jedenfalls in vollem Gange. Die Realität des Internets holt auch die Vertreter der reinen Lehre ein.

Der Umgang mit Fenstern und Tabs in den aktuellen Browsern

Die Browser-Hersteller haben sich dagegen flexibler gezeigt und den Benutzern Möglichkeiten zur Hand gestellt, die ihnen eine Kontrolle über Webseiten geben, die über die HTML-Tags hinaus gehen. Von einigen Antiquitäten (IE 6) abgesehen, stellen alle relevanten Browser im Kontextmenü von Links die Option bereit, die Webseite je nach Bedarf in einem neuen Fenster oder einem neuen Tab zu öffnen, gleichgültig was der Designer im Anchor-Tag festgelegt hat. Auch Tastenkombinationen stehen dafür zur Verfügung und im Falle von Tabs ein Klick auf das Mausrad bzw. die mittlere Maustaste.

Leider gibt es bisher noch nicht die umgekehrte Option, nämlich die Festlegung des Seiten-Erstellers zum Öffnen eines Links in einem neuen Fenster zu überschreiben und neue Seite statt dessen ins aktuelle Fenster zu laden. Für Firefox gibt es lediglich die Möglichkeit, dafür ein zusätzliches Add-on zu installieren.

Bis diese Option in allen Browsern als Standard zur Verfügung steht, sind die Webseiten am flexibelsten, die eine Angabe des targets von Links unterlassen. Denn eine Webseite in einem neuen Fenster oder Tab zu öffnen kann jeder, ein <target="_blank"> umgehen können jedoch nur wenige.

Zwei Ansätze sich nicht festzulegen

Dr. Web stellt in seiner Trickkiste einen kleinen JavaScript-Schnipsel vor, der dem Besucher die Wahl treffen lässt. Als Standard werden alle Links im gleichen Fenster geöffnet; man kann jedoch in einer kleinen Checkbox individuell festlegen, daß sie statt dessen in einem neuen Fenster geladen werden sollen.

Ähnlich, nur etwas umfangreicher und durch einen Cookie auch auf anderen Seiten und bei zukünftigen Besuchen wirksam, sind die Möglichkeiten der Voreinstellungen bei den Google Preferences. Hier hatte ich die Option "Für Suchergebnisse neues Fenster öffnen" gewählt bevor ich die Vorzüge der Browser-Tabs entdeckte.

So handhabe ich das

Alle Links dieser Website verzichten auf das Target-Attribut, sie laden standardmäßig die aufgerufene Seite im Hauptfenster. Wer es anders haben will, kann es einfach bewirken durch einen Klick aufs Mausrad (neuer Tab) oder die rechte Maustaste (neues Fenster). Die Entscheidung liegt ganz allein beim Besucher. So habe ich als Internetnutzer es auch am liebsten.

Wenn ich im Web unterwegs bin, dann benutze ich überwiegend Firefox als Browser. Unabhängig von der Festlegung des Designers lade ich Webseiten, die mich zusätzlich zur gerade besuchten Seite interessieren, mit einem Klick aufs Mausrad in einem neuen Tab. Will ich die aktuelle Seite verlassen, lade ich den letzten Link mit einem Einfachklick im selben Fenster. Wenn dabei der Ersteller meint mich bevormunden zu müssen und ein neues Fenster öffnet, ärgere ich mich und schließe es sofort wieder, lade die gewünschte Seite noch einmal in einem neuen Tab und schließe dann das alte Tab - ein typisches Beispiel für schlechte Usability.

Benötige ich ein zweites Browserfenster, etwa um Daten miteinander zu vergleichen, lade ich die Seite mit der rechten Maustaste und wähle im Kontextmenü "Link in neuem Fenster öffnen". Nur in diesem Fall muß ich beim Betätigen des Links nachdenken, sprich auf das Kontextmenü achten, der Linksklick und der Klick aufs Mausrad stören mich nicht im Lesefluß auf der gerade besuchten Seite.

Beim Öffnen eines neues Tabs hat Firefox es als Voreinstellung übrigens so geregelt, daß es im Hintergrund geschieht, die neu geöffnete Seite drängelt sich also nicht gleich in den Vordergrund. So kann ich etwa beim Besuch einer Suchmaschine oder eines Blogs alle interessanten Seiten bereits vorladen und sie dann nacheinander abarbeiten ohne daß die Ursprungsseite ersetzt und mein Lesefluß gestört wird. Das ist für mich die effektivste Methode mich im Internet zu bewegen.

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