> Lieber Thomas,
>
> ich finde deinen Beitrag sehr informativ. Da es hierin um Schrift und
> damit auch um Sprache geht, finde ich es leider schade, dass auch
> du das Verb umbrechen (wie die meisten Menschen) falsch in die
> Vergangenheit setzt. Das Wort wird auf der zweiten Silbe betont
> umBRECHEN und die Vergangenheit heißt umbrochen - nicht
> umgebrochen.
>
> Mit freundlichem Gruß
>
> H...
Moin H...,
Igitt, das hört sich ja schaurig an. Weil ich deine Bemerkung nicht glauben wollte, habe ich recherchiert und - du hast recht. Laut Duden wird ein Zaun umgebrochen, ein Satz jedoch umbrochen. Ja, "du hast recht", nicht "du hast Recht", denn das entspricht meinem Sprachgefühl genau so wie "die Zeile wird umgebrochen". Und weil das hier meine private Webseite ist, nehme ich mir das Recht, meinem (und wahrscheinlich auch dem allgemeinen) Sprach- und Bauchgefühl zu folgen und die Schreibweise so zu lassen wie sie ist.
Ebenso wie ein Zaunpfahl umgebrochen, also in zwei Teile zerlegt wird, wird bei mir auch ein Satz auf zwei oder mehrere Zeilen umgebrochen.
Im Gegensatz zum Schriftsetzerjargon betone ich (wie wahrscheinlich alle anderen auch außer den Schriftsetzern) das Wort auf der ersten Silbe - was immer das bedeuten mag für die Rechtschreibung. Der Zeilenumbruch gehört damit wohl zu den Wörtern, die von der Allgemeinheit und in der Umgangssprache anders gebraucht werden als von den Spezialisten in ihrer Fachsprache, so wie Schraubenzieher - Schraubendreher, Glühbirne - Glühleuchte oder die Bedeutung der Begriffe Ökologie und ökologisch.
Zwei Zitate, die mir bei meiner Recherche über den Weg liefen:
"Es wäre zu wünschen, daß sich die Buchdrucker in diesem und in vielen
ähnlichen Ausdrücken (z. B. umstellen) dem allgemeinen Gebrauche
fügten. Dieser verlangt: er bricht, stellt den Satz um; der Satz wird
umgebrochen, umgestellt; der Satz ist umzubrechen, umzustellen usw."
(Fußnote in einem alten Duden, die leider keine Beachtung fand)
"Wörter bedeuten spätestens dann das gleiche (oder dasselbe?), wenn
der Unterschied nur noch Korinthenkackern bekannt ist, die scheinbar
(oder anscheinend?) die einzigen sind, die ihn in wenigen Worten (oder
Wörtern?) erklären können. Die weisen dann andere grundsätzlich (oder
ausnahmslos?) auf solche Fehler hin. Aber den meisten ist das zu
schwer (oder schwierig?), so dass die Mühe umsonst (oder vergeblich?)
aufgewandt ist."
(Helmut Richter, de.etc.sprache.deutsch, 2004-06-05)
Trotzdem vielen Dank für deinen Hinweis, er führte zu einer intellektuell anregenden Ablenkung von einer grad sehr drögen Routinearbeit.
;-) Tom
Kommentare zum Thema sind willkommen.