Die Weisen aus dem Morgenland folgen einem Stern - Mosaik aus dem 6. Jahrhundert
Sant'Apollinare Nuovo, Ravenna
(Foto: Nina Aldin Thune in der Wikipedia)
Egal wie man zu Religionen oder zum Christentum steht: die Weihnachtsgeschichte ist eine sehr schöne Geschichte, die jeder kennen sollte, der heute Geschenke auspackt. Am besten, man liest sie im Original in der Lutherübersetzung der Bibel bei Lukas 2, 1-20.
Aber um die Geburt selber soll es heute nicht gehen, sondern um den Teil der Geschichte, von dem Lukas nichts erzählt, sondern nur sein Kollege Matthäus: Von den drei Weisen aus dem Morgenland (also dem Osten, Babylonien, dem heutigen Irak), die einem Stern folgen, der einen neuen König anzukündigen scheint, und die in Bethlehem vor der Krippe Jesus landen. Zu Königen wurden die Sterngucker selber erst viele Jahrhunderte später erklärt.
"Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. ... Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war ..." (Matthäus 2, 1-12)
Kann es so einen wandernden hellen Stern gegeben haben? Und vor allen: hat es zur Zeit Jesu Geburt so einen Stern gegeben, der wochenlang mit bloßem Auge am Himmel sichtbar war? Eine Reise per Kamel durch die Wüste vom Irak nach Palästina war damals schließlich nicht in einigen Tagen zu schaffen. Es musste schon ein ganz besonderer Stern gewesen sein, der die Sternegucker zu ihrer langen beschwerlichen Reise veranlasste.
Harald Lesch, der heutige Sternengucker des ZDF, ist dieser Frage nachgegangen und hat Erstaunliches zu berichten. Das folgende Video von 1999 ist etwa 14 Minuten lang.
Die Astronomie, zuerst die babylonische, 1600 Jahre später dann auch die europäische, hat also nachgewiesen, dass es den Stern von Bethlehem wirklich gegeben hat. Sie hat sogar den genauen Tag ermittelt, an dem der Stern über Bethlehem stand, also wahrscheinlich das historische Weihnachten stattfand: am 4. Dezember 7 v.Chr.
Wie das, ist Weihnachten nun schon vorbei?? Tja, in der Bibel wird zwar der Todestag Jesu genannt, jedoch kein Datum für seine Geburt. In den Anfängen des Christentums wurde Jesu Geburtstag Ende Mai gefeiert. Auf den 25. Dezember legte man sich erst um 350 n.Chr. fest, in Rom zu Zeiten des Aufschwungs des Christentums. Die meisten christlichen Kirchen schlossen sich im Laufe der Jahrhunderte diesem Datum an, nur die Orthodoxen Kirchen, wie die russische und griechische Kirche, feiern Jesu Geburt am 6. Januar. Aber ein Datum kurz nach der Wintersonnenwende, wenn die Tage wieder länger werden, bietet sich für den Geburtstag eines Heilands schon an.
Und was ist mit dem Jahr, leben wir jetzt schon im Jahre 2018 n.Chr? So sieht es aus. Die Jahresrechnung "nach Christus" wurde erst 537 n.Chr. eingeführt, bis dahin wurden in der Römischen Republik die Jahre nicht gezählt, sondern nur nach den regierenden Konsuln benannt. Bei der Umstellung hat man sich dann scheinbar einfach verrechnet. Kann ja schon vorkommen nach mehr als 500 Jahren.
Vor einigen Tagen hat Harald Lesch seine Ausführungen von 1999 in der ZDF-Sendung Leschs Kosmos noch einmal kurz wiederholt und um einen wesentlichen Punkt erweitert: Der Stern von Bethlehem und die Stabilität der Welt.
Alle Fernseh-Sendungen von Harald Lesch der letzten Wochen kann man sich in der ZDF Mediathek oder einer Playlist im ZDF-Kanal bei YouTube noch einmal ansehen. Das sind viele Stunden verständliche Informationen über Sonne, Mond und Sterne und uns kleine Menschlein darunter.
Frohe Weihnachten allerseits, bis zum nächsten Jahr!