LipDub: Massensynchronsingen

Im Januar 2011 veröffentlichte das amerikanische Nachrichten-Magazin Newsweek einen Artikel über Amerikas sterbende Städte. Als ein Beispiel wurde die Stadt Grand Rapids im Bundesstaat Michigan aufgeführt, die besonders unter dem Niedergang der Auto- und Möbelindustrie leidet.

Das wollten die Bewohner von Grand Rapids nicht auf sich sitzen lassen und sie produzierten gemeinsam ein Video unter dem Motto "Wir sind am Leben - und wir leben gerne in Grand Rapids."

Aus den wesentlich stärker vom Bevölkerungsrückgang betroffenen deutschen Städten wie Frankfurt (Oder), Halle, Stralsund oder Duisburg sind leider keine derartigen Aktionen bekannt....

LipDub bedeutet wörtlich übersetzt Lippen-Synchronisierung und hat sich als Begriff für eine spezielle Form eines Musikvideos durchgesetzt. Charakteristisch für ein LipDub sind zwei Dinge:

Inspirieren ließen sich die Bewohner von Grand Rapids vom LipDup der katalanischen Stadt Vic, wo 2010 über 5.000 Einwohner die (kulturelle) Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien forderten und feierten:

Geprägt wurde der Begriff LipDub von Jake Lodwick, einem Gründer der Video-Plattform Vimeo. Er filmte sich 2006 selber, als er singend durch eine Straße ging. Zuhause unterlegte er das Video mit dem Original-Lied und veröffentlichte es im Internet. Da er keinen passenden Namen dafür fand, nannte er es Lip Dubbing: Endless Dream.

Die Idee verbreitete sich schnell in Europa, vor allem in Frankreich. Die sogenannten Office Lipdubs wurden besonders dort zu einem erfolgreichen Format. Dabei stellen Mitarbeiter von Unternehmen in drei- bis fünfminütigen Beiträgen ihre Büros vor. Im Jahr 2008 gründeten Studenten der Fakultät Digitale Medien an der Hochschule Furtwangen das Projekt University LipDub, in dem sie ihre Hochschule präsentieren und zeigen, wie viel Spaß man dabei haben kann. Bis heute haben 75 weitere Universitäten und Hochschulen aus über zehn Ländern darauf mit eigenen Videos geantwortet. Seit neuestem beteiligen sich auch Schulen an diesem Projekt. Alle Videos sind auf der Website zu sehen.

Die Idee aus Amerika setzte sich so in Europa durch - und schwappte wieder zurück über den Atlantik. Im Sommer 2009 veranstalteten Studenten der Universität Quebec aus Montreal, Kanada, ein gigantisches LipDub zum Song "I Got A Feeling" der Popgruppe The Black Eyed Peas. Das Video davon darf aufgrund der GEMA-Zensur in Deutschland nicht gezeigt werden, wenn man meinem Tipp vom 8. Dezember folgt, kann man es natürlich doch sehen. Die 7. Staffel der amerikanischen Serie "The Office" (der US-Ableger der britischen Serie, deren deutsche Version "Stromberg" ist) eröffnete im Herbst 2010 mit einen großen Office-LipDub. Eine eigentlich ziemlich blöde Idee wurde somit zu einem weltweiten Spaß-Phänomen.

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